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Durch Christus neue Schöpfung



Aktuelles

Zeitpunkt der letzten Bearbeitung

Samstag, 18.11.2017, 01.50 Uhr

 

Veranstaltungen/
Seminare

 

Bibelnachmittage in Gummersbach

Gastgeber:
Bibelgemeinde Gummersbach e. V.

Wo:
Hohe Straße 26, 51643 Gummersbach

 

"Wann: 12.11.17

Thema: Was wir von Gott bezeugen können, wenn er angeklagt wird

Einsichten aus Hiob 32-37"

 

"Wann: 10.12.17

Thema: Leg dich lieber nicht mit Gott an! Teil 1

Die Gottesreden in Hiob 38-39"

 

"Wann: 14.01.18

Thema: Leg dich lieber nicht mit Gott an! Teil 2

Die Gottesreden in Hiob 40-42"

 

Beiträge

Donnerstag, 23.11.2017 (47. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 24-1

Samstag, 18.11.2017 (46. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 23

Freitag, 10.11.2017 (45. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 22

Freitag, 03.11.2017 (44. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 21

Donnerstag, 26.10.2017 (43. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 20

Donnerstag, 12.10.2017 (41. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 19,13-29

Donnerstag, 05.10.2017 (40. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 18,1-19,12

Donnerstag, 28.09.2017 (39. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 17

Donnerstag, 21.09.2017 (38. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 16

Donnerstag, 14.09.2017 (37. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 15

Donnerstag, 07.09.2017 (36. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 13,13-14,22

Freitag, 01.09.2017 (35. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 12,1-13,12

Donnerstag, 24.08.2017 (34. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 11

Donnerstag, 17.08.2017 (33. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 9,11-10,22

Donnerstag, 10.08.2017 (32. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 8,1-9,10

Freitag, 04.08.2017 (31. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zum Philemonbrief 15-25

Freitag, 28.07.2017 (30. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zum Philemonbrief 4-14

Samstag, 22.07.2017 (29. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zum Philemonbrief 1-3

Donnerstag, 13.07.2017 (28. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 3. Johannesbrief

Donnerstag, 06.07.2017 (27. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 2. Johannesbrief

Donnerstag, 29.06.2017 (26. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 5,14-21

Donnerstag, 22.06.2017 (25. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 5,4-13

Donnerstag, 15.06.2017 (24. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 4,17-5,3

Freitag, 09.06.2017 (23. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 4,7-16

Donnerstag, 01.06.2017 (22. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 4,1-6

Freitag, 26.05.2017 (21. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 3,11-24

Freitag, 19.05.2017 (20.  KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 2,29-3,10

Freitag, 12.05.2017 (19. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 2,7-28

Donnerstag, 04.05.2017 (18. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu 1. Johannesbrief 1,1-2,6

Donnerstag, 17.04.2017 (17. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zu den Predigten.

Gott spricht Sünder gerecht - gerechterweise

Donnerstag, 20.04.2017 (16. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 6-7

Donnerstag, 06.04.2017 (14. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Hiob 4-5

Donnerstag, 30.03.2017 (13. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Jakobus 5,12-20

Donnerstag, 23.03.2017 (12. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.

Auslegung zu Jakobus 4,13-5,11

Donnerstag, 16.03.2017 (11. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.
Auslegung zu Jakobus 3,1-4,12

Donnerstag, 09.03.2017 (10. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.
Auslegung zu Jakobus 1,19-2,26

Donnerstag, 02.03.2017 (9. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.
Auslegung zu Jakobus 1,1-18

Donnerstag, 23.02.2017 (8. KW)

Heute erscheint ein neuer Beitrag zur Bibelauslegung.
Auslegung zu Hiob 1-3

1)       Orientierung und Einleitung zum Buch Hiob

 

Das Buch Hiob ist eine Erzählung mit einer Einleitung (1,1-2,13), einem Hauptteil (3,1-42,6) und einem Schluss (42,7-17). Der Hauptteil besteht aus Dichtung, die drei Dialoge und drei Monologe wiedergibt. Gliedern lässt sich der Hauptteil anhand der verschiedenen Dialoge und Monologe. Zunächst spricht Hiob mit seinen drei Freunden, wobei es sich da schnell zu einem Streitgespräch entwickelt. Das Gespräch zieht sich über drei Zyklen hin, wobei im letzten nur noch zwei der drei Freunde zu Wort kommen: 3-14; 15-21; 22-27. Wahrscheinlich um den Leser nach dem Streitgespräch zu orientieren, fügt der Verfasser in Kapitel 28 seinen eigenen Kommentar ein. Er macht deutlich, dass weder die drei Freunde noch Hiob die Weisheit erkannt haben. Weisheit hat allein Gott, und der Mensch tut gut daran, dies anzuerkennen. Er bereitet seine Leser darauf vor, dass Gott noch zu Hiob reden wird. Darauf folgen drei Monologe: In 29-31 besteht Hiob darauf, dass er gerecht ist und fordert Gott auf, ihn endlich zu töten oder aber seine Gerechtigkeit anzuerkennen. Danach (32-37) hält ein gewisser Elihu eine Rede, in der er die drei Freunde und Hiob anklagt, sie hätten alle nicht in Weisheit gesprochen. Er selbst zeigt aber in seinen Ausführungen, dass er nicht viel weiser ist. Gleichzeitig leitet er mit seinen Themen, in denen er den Dialog zusammenfasst und Gottes Gerechtigkeit und Allmacht in der Schöpfung hervorhebt, ungewollt zur Rede Gottes über. Schließlich spricht Gott selbst zu Hiob (38-41), indem er nicht seine Fragen beantwortet, sondern selber Fragen stellt, die Hiob nicht beantworten kann. Hiob antwortet Gott nur zweimal, indem er ihm Recht gibt, seine Weisheit und seine Herrschaft anerkennt (40,2.3; 42,1-6).

Das Buch Hiob verfolgt mehrere theologische Ziele:

1) Es macht klar, dass Leiden nicht immer auf persönliche Sünden zurückzuführen sind. Ein Weltbild, in dem behauptet wird, dass Gott es den Frommen immer gut gehen lässt und den Gottlosen schlecht, greift zu kurz.

2) Es weist darauf hin, dass Menschen nicht genug Weisheit haben, um Gottes Gerechtigkeit und Herrschaft angemessen zu beurteilen.

3) Es lehrt, dass Gott frei ist gegenüber den Geschöpfen. Er ist nicht verpflichtet, alle Bösen sofort zu strafen, sondern kann ihnen gegenüber geduldig sein und sie für seine höheren Zwecke gebrauchen. Er ist nicht verpflichtet, den Frommen Segen zu erweisen. Wenn er es tut, ist es Ausdruck seiner Gnade. Gott kann auch den Frommen eine Zeit lang leiden lassen, um ihn im Glauben zu prüfen und heranreifen zu lassen.

4) Nicht zuletzt verdeutlicht es, warum die Frommen eigentlich Gott dienen: Nicht weil sie von Gott Gaben empfangen, sondern weil sie ihn selbst lieben und die Gemeinschaft mit ihm über alles andere begehren. Hiob wird nicht deswegen von Leiden heimgesucht, weil er gesündigt hat, sondern weil Gott in der Auseinandersetzung mit dem Satan prüft und ans Licht bringt, dass Hiob Gott um Gottes willen dient.

5) Schließlich ruft das Buch Hiob den Leser auch dazu auf, Gott in seiner Allmacht, Weisheit und Gnade zu vertrauen. Gott gibt uns über sich und seine Herrschaft in der Welt das zu erkennen, was er für ausreichend hält, damit wir ihm vertrauen können. Darüber hinaus sollen wir anerkennen, dass Gott und sein Walten in der Welt über unseren Verstand hinausgehen. Zudem ist Gott frei uns gegenüber, das heißt er ist uns keine Rechenschaft schuldig. Warum Gott solches Leid, welches keine Strafe für Sünde ist, zulässt und für seine Zwecke gebraucht, diese Frage darf nicht in der Weise angegangen werden, dass alles Leid auf Sünde zurückgeführt, Gottes Allmacht in Zweifel gezogen oder seine Gerechtigkeit in Frage gestellt wird.

 

 

2)       Die Person von Hiob wird eingeführt => Er ist jemand, der Gott fürchtet, liebt und vertraut. Er ist durch Gottes Segen reich, aber er hat sein Herz nicht daran gehängt.  (1,1-5)

 

1,1)Im Land Uz lebte einmal ein Mann namens Hiob (oder Ijob).

 

-          „Uz“ => Es lässt sich nicht mehr sagen als dass Uz östlich von Kanaan gelegen hat, vielleicht in der Landschaft von Edom.

-          „Hiob“ => Wir erfahren nichts über die Vorfahren von Hiob noch über die Zeit, in der er gelebt hat. Das Buch Hiob wurde wahrscheinlich einige Zeit nach den Ereignissen, die es schildert, geschrieben. Darauf weist die Bemerkung hin, dass Hiob nach den Ereignissen noch 140 Jahre gelebt hat und dann gestorben ist (42,16.17). Stellt sich die Frage, in welche Zeit die Ereignisse selbst fallen. Dies zu bestimmen, ist kaum möglich, es bietet sich ein Zeitraum von den Erzvätern (ca.1600 v. Chr.) bis hin zur Blüte der Weisheitsliteratur unter Salomo (ca. 950 v. Chr.), bis hin zum Exil als Gericht Gottes über Juda an (ca. 550 v. Chr.) oder sogar bis hin zur postexilischen Zeit (ca. 450 v. Chr.) an.

Das Buch Hiob trägt sowohl geschichtliche als auch literarische Züge. Hiob ist eine Person, die wirklich gelebt hat und die das erlebt hat, was berichtet wird (Hes.14,14.20; Jak.5,11). Es gibt aber Hinweise darauf, dass das Geschehene in eine literarische Form gegossen worden ist. Insbesondere der Dialog der Freunde mit Hiob ist so durchstrukturiert, wie es für Dialoge, insbesondere Streitgespräche, normalerweise nicht üblich ist. Hiob ist kein Israelit. Ihm wird aber eine Kenntnis Jahwes zugeschrieben. Dies lässt ihn als Angehörigen einer längst vergangenen vorisraelitischen Epoche erscheinen. Hiob ist eine Art Abraham, der von Jahwe gesegnet und reich ist und im Glauben an ihn lebt. Wie Abraham ist er ein Vorbild für alle, die nach ihm gelebt und von seiner Geschichte gehört haben.

 

Dieser Mann war untadelig und rechtschaffen; er fürchtete Gott und mied das Böse.

 

-          „untadelig und rechtschaffen“ => Hiermit soll nicht gesagt werden, dass Hiob frei von Sünde war. Aber er war ein Mann, der grundsätzlich im Glauben an Gott und im Gehorsam ihm gegenüber lebte. Er war kein Heuchler: Was er nach außen tat, entsprang echtem Glauben und echter Liebe zu Gott. Er tat nicht nur fromm und das zeigte sich bei ihm in der Einheit von Worten und Taten. Er behandelte seine Angestellten fair und kümmerte sich als reicher Mensch um viele bedürftige Mitmenschen (31,13-23).

-          „er fürchtete Gott und mied das Böse“ => Hier werden Ursache und Wirkung genannt: Weil Hiob Gott fürchtete, mied er das Böse. Das Böse ist hier ein Sammelbegriff für alle Gesinnungen und Handlungen, die dem Willen Gottes entgegenstehen. Hiob kannte also den Willen Gottes, ähnlich wie Abraham, Isaak und Jakob ihn kannten. Das Böse, welches Hiob mied, waren insbesondere Götzendienst, Ehebruch, Ausbeutung des Nächsten. Dass Hiob Gott fürchtete, besagt nicht, dass er das Böse vor allem aus Angst vor Bestrafung mied. Sondern es besagt, dass Hiob von Gott viel Aufheben machte. Hiob wusste und bejahte es, dass Gott heilig ist, also unvergleichliche göttliche Herrlichkeit besitzt. Durch seine Gottesfurcht hatte Hiob auch die Voraussetzung dafür, weise zu sein und an Weisheit noch dazuzulernen. Letzteres stand ihm als Lektion bevor.

 

1,2)Sieben Söhne und drei Töchter wurden ihm geboren. 3)Er besaß 7000 Schafe und Ziegen, 3000 Kamele, 500 Gespanne Rinder und 500 Esel. Dazu hatte er auch viele Knechte und Mägde. An Wohlstand und Ansehen übertraf Hiob alle Einwohner des Ostens.

 

-          „Schafe und Ziegen …“ => Hiob betrieb Viehzucht und möglicherweise auch Ackerbau. Mit den Erzeugnissen trieb er Handel. Die Erzeugnisse brachten vor allem die Schafe, Ziegen und Rinder hervor. Als Lasttiere, um die Produkte an den Käufer zu bringen, dienten ihm Kamele und Esel. Die Kamele weisen darauf hin, dass Hiob mit Karawanen die Erzeugnisse auch in weit entfernte Städte gebracht hat. Viele seiner Knechte waren sicherlich Hirten. Hiob war also einerseits der Bewohner eines Ortes, einer Kleinstadt, andererseits lebte er wie ein Halbnomade, der mit seinen Herden im Gebiet um die Stadt herum umherzog.

 

1,4)Seine Söhne hatten die Gewohnheit, reihum in ihren Häusern Festessen zu veranstalten, an denen alle Brüder teilnahmen. Auch ihre drei Schwestern luden sie dazu ein und alle aßen und tranken miteinander. 5)Immer wenn eine solche Reihe von Festmählern vorüber war, ließ er seine Kinder holen und heiligte sie. Er stand frühmorgens auf und brachte für jedes seiner Kinder ein Brandopfer dar. Denn er sagte sich: „Vielleicht haben meine Kinder gesündigt und in ihrem Herzen Gott verflucht.“ So tat Hiob es jedes Mal.

 

-          „heiligte sie“ => Hiob heiligte seine Kinder dadurch, dass er Brandopfer für sie darbrachte, damit Gott ihnen etwaige Sünden vergeben möge. Dies tat Hiob in Anwesenheit seiner Kinder, die er extra zu diesem Anlass holen ließ. Für Hiob gab es keine automatische Vergebung der Sünden durch ein Opfer. Seine Kinder sollten durch die Opferhandlung ihre Sünden bekennen und Gott um Vergebung bitten. Hiob handelt hier als Priester für seine Familie.

-          „vielleicht“ => Hiob vollzog die Opferhandlungen auf die Möglichkeit hin, dass eines seiner Kinder gesündigt haben könnte. Sollte es nicht der Fall sein, so hielt er durch die Opfer doch das Bewusstsein in seinen Kindern wach, dass sie Sünder sind und Vergebung ihrer Sünden brauchen.

-          „in ihrem Herzen Gott verflucht“ => Hier geht es wohl darum, Gott innerlich eine Absage zu erteilen und seine reichen Gaben ihm, dem Geber, vorzuziehen. Hiob belehrte seine Kinder durch die Opfergottesdienste regelmäßig, dass Gott wichtiger ist als seine Gaben. Dies brachte er durch die Gabe von Brandopfern zum Ausdruck, bei denen das ganze Opfertier verbrannt wurde. Durch das Brandopfer wurde besonders die ganze Hingabe eines Menschen an Gott zum Ausdruck gebracht.

 

 

3)       Gott geht mit dem Satan eine Wette ein, bei der es darum geht, Hiob zu prüfen, nämlich ob er Gott wegen seiner reichen Gaben dient oder weil er ihn liebt. (1,6-12)

 

1,6)Eines Tages kamen die Söhne Gottes, um vor Jahwe hinzutreten. Der Satan trat auch in ihrer Mitte auf.

 

-          „Söhne Gottes“ => Gemeint sind Engelwesen. Gott hat sie als seine Diener geschaffen, die ihm bei seiner Herrschaft über die Erde helfen. Nicht dass er sie bräuchte. Aber er hat seine Freude daran, sie an seiner Herrschaft zu beteiligen, wie es überhaupt sein Wesen ist, dass seine Herrlichkeit sich in Geschöpfen widerspiegele. Die Engel geben zu dieser Gelegenheit Rechenschaft über das, was sie im Auftrag Gottes getan haben und erhalten weitere Aufträge.

-          „der Satan“ => Dies ist weniger ein Name denn ein Titel, der so viel bedeutet wie „Widersacher, Gegner“. Er tritt als Gegner Gottes und seiner Herrschaft über die Menschen auf. Aber Gott duldet ihn in der himmlischen Ratsversammlung. Er kann ihn für seine Zwecke gebrauchen.

 

1,7)Der Herr sprach zum Satan: „Woher kommst du?“ Der Satan antwortete dem Herrn: „Die Erde habe ich durchstreift, hin und her.“ 8)Der Herr fragte den Satan: „Hast du auf meinen Knecht Hiob geachtet? So wie ihn gibt es sonst keinen auf der Erde. Er ist untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse.“

 

-          „der Herr sprach zum Satan“ => Gott hat als oberster Herrscher die Leitung in der himmlischen Ratsversammlung. Dies muss, wohl oder übel, auch der Satan anerkennen. Der Satan darf nur reden, wenn Gott ihn fragt.

-          „woher kommst du“ => Die Frage zielt darauf, was der Satan auf der Erde gemacht hat.

-          „die Erde durchstreift, hin und her“ => Hier kommt wohl eine gewisse Ziellosigkeit des Satans zum Ausdruck. Zumindest hat er keinen konkreten Auftrag von Gott wie die Engel. Er hat die Erlaubnis, auf der Erde herumzuschnüffeln und Menschen auszukundschaften.

-          „mein Knecht Hiob“ => Es ist Gott, der auf Hiob zu sprechen kommt, nicht der Satan. Dies ist bereits ein Hinweis darauf, dass Gott mit Hiob etwas vorhat, bei dem auch der Satan eine Rolle spielt. Gott bestätigt die Beurteilung Hiobs, die wir in der Einleitung bereits erfahren haben: Hiob gehorcht Gott, weil er ihn fürchtet, ihn liebt, ihm vertraut. In der Beziehung zwischen Gott und Hiob ist alles in Ordnung. Dies zieht Hiob später in Zweifel.

 

1,9)Der Satan entgegnete dem Herrn: „Würde er dir gehorchen, wenn es sich für ihn nicht lohnte? 10)Du hast ihn und seine Familie und seinen ganzen Besitz umhegt. Du lässt alles gelingen, was er unternimmt, und sein Vieh füllt das ganze Land. 11)Strecke doch einmal deine Hand gegen ihn aus und taste seinen ganzen Besitz an. Wetten, dass er dich dann offen verfluchen wird!“

 

-          „wenn es sich nicht lohnte“ => Der Satan ist selbst durch und durch böse. Dies zeigt sich auch daran, dass er nicht glauben kann, dass Hiob Gott wirklich aus Liebe dient. Er kann nicht anders als Hiob Heuchelei zu unterstellen: Er tut so, als würde er Gott aus Liebe dienen. In Wirklichkeit sind ihm die Gaben wichtiger als Gott, aber das verbirgt er. Diese Grundhaltung Hiobs wird, so der Satan, offensichtlich werden, wenn Gott ihm allen Besitz wegnimmt. Der Satan wird davon ausgehen, dass Gott die wahren Beweggründe Hiobs, aus denen heraus er ihm dient, kennen. Der Satan unterstellt Gott, dass er sich von Hiob betrügen lässt und sich die Illusion macht, er würde ihm aus Liebe dienen.

 

1,12)Da sagte der Herr zum Satan: „Gut, alles, was er besitzt, gebe ich in deine Gewalt. Aber ihn selbst darfst du nicht antasten!“ Darauf ging der Satan weg aus der Gegenwart des Herrn.

 

-          „gebe ich in deine Gewalt“ => Gott lässt sich auf die Wette ein. Er weiß ja, dass Hiob ihm aus Liebe dient, nicht wegen des Reichtums. Man kann auch sagen, dass Gott die Wette eingefädelt hat durch seinen Hinweis auf Hiob. Der Satan sprach davon, dass Gott doch den Besitz Hiobs wegnehmen sollte. Der Satan weiß, dass Gott unwiderstehlich der oberste Herrscher ist, auch wenn er das bekämpft. Gott überlässt es dem Satan, Hiob an seinem Besitz zu schaden. Hier werden wir mit einer Komplexität der Ereignisse vertraut gemacht: Es ist zum einen Gott, der Hiobs Besitz antastet, zum andern ist es der Satan. Die Absicht von beiden ist entgegengesetzt: Gott will Hiob im Glauben weiter heranreifen lassen und an ihm ein ermutigendes Beispiel für spätere Generationen von Gläubigen setzen. Der Satan will Hiob dazu bringen, dass er Gott verflucht. Der Satan hat seine Freude daran, wenn ein Mensch mehr zur Unehre Gottes lebt. Es ist eine Freude, die den Namen eigentlich nicht verdient; denn wirkliche Freude kennen die Bösen nicht. Sie ist nämlich verbunden mit Liebe, damit, Gottes Liebe zu erfahren und ihn zu lieben.

-          „ihn selbst … nicht antasten“ => Gott setzt dem Satan eine Grenze, die er nicht überschreiten kann. Hierin kommt zum einen zum Ausdruck, dass er über Hiob wacht, trotz all der Not, die auf ihn zukommt. Zum andern zeigt es die Bereitschaft des Satans, jeden Freiraum zu nutzen, den Gott ihm überlässt. Er würde gerne grenzenlos Böses tun, aber Gott grenzt ihn ein und leitet ihn so, dass seine Bosheit Gottes Herrlichkeit nicht vermindert, sondern, ohne dass der Satan dies verhindern könnte, vermehrt. Gott ist souverän, der Satan ist, wenngleich mächtiger als Menschen, so doch nicht mehr als ein gefallenes Geschöpf Gottes.

 

 

4)       Gott lässt es zu, dass der Satan Hiob all seinen Besitz wegnimmt, aber Hiob verflucht Gott nicht, sondern betet ihn als den höchsten König an.  (1,13-22)

 

1,13)Eines Tages waren die Kinder Hiobs wieder einmal im Haus ihres erstgeborenen Bruders zusammen, um zu essen und Wein zu trinken. 14)Da kam ein Bote zu Hiob gelaufen und meldete: „Die Rinder waren gerade beim Pflügen und die Esel weideten daneben. 15)Da fielen Sabäer ein, nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit dem Schwert. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.“

 

-          „Wein“ => Der Wein weist nicht auf ein Trinkgelage hin, sondern auf Festfreude, wie sie Gott gefällt. Umso tragischer ist das Unglück, welches dieses Fest beendet.

-          „ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten“ => Dies ist der Refrain von vier Boten hintereinander. Hierdurch wird der Leser in die Situation Hiobs hineinversetzt, der die Nachricht der Boten bekommt, eine nach der anderen. Die Spannung wird erzeugt und erhöht, wie Hiob auf die Schreckensnachrichten reagieren wird. Denn es geht weniger um die Unglücke selbst, sondern darum, was sie über Hiobs Beziehung zu Gott offenbaren.

 

1,16)Er hatte noch nicht ausgeredet, da kam schon ein anderer Bote und sagte: „Feuer Gottes fiel vom Himmel und verzehrte die Schafe und Ziegen und ihre Hirten. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.“ 17)Er hatte noch nicht ausgeredet, da kam schon der nächste und sagte: „Drei Horden chaldäischer Nomaden haben uns überfallen. Sie haben die Kamele gestohlen und deine Knechte erschlagen. Ich allein bin entronnen, um es dir zu berichten.“ 18)Er hatte noch nicht ausgeredet, da kam schon der nächste und sagte: „Deine Söhne und deine Töchter aßen und tranken Wein im Haus ihres erstgeborenen Bruders. 19)Da kam ein Sturm von der Wüste her und packte das Haus an allen vier Ecken. Es ist über den jungen Leuten zusammengestürzt und hat sie alle erschlagen. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.“

 

-          „hat sie alle erschlagen“ => Die Schreckensberichte, die Hiob gemeldet werden, folgen einander auf dem Fuß. Die ersten drei Berichte beziehen sich auf seinen Besitz an Vieh und seine Knechte. Die größte Tragödie berichtet der vierte und letzte Bote: Hiob verliert auf einen Schlag alle seine 10 Kinder. Die Berichte folgen so nahtlos aneinander, dass Hiob zwischen ihnen gar keine Reaktion zeigen kann. Jedenfalls wird keine Reaktion berichtet, bis am Ende auch die schlimmste Nachricht eingetroffen ist.

 

1,20)Da stand Hiob auf, zerriss sein Obergewand und schor sich den Kopf kahl. Dann warf er sich nieder, das Gesicht zur Erde, und betete Gott an.

 

-          „zerriss sein Obergewand und schor sich den Kopf kahl“ => Es geht um die Reaktion Hiobs. Darum wird von seiner Frau an dieser Stelle nichts berichtet. Die Reaktion Hiobs ist schlicht. Wie sehr er trauert, wird durch die Gesten veranschaulicht, die er vollzieht. Er zerreißt das Obergewand, das er trägt. Ein Stück weit bahnt sich hier die Trauer einen Weg durch die Ausübung großer Körperkraft. Mit dieser Geste gibt Hiob wohl zu erkennen, dass es ihm das Herz schier zerreißt und er sich mit dem Ergehen seiner Kinder identifiziert. Das Kahlscheren des Kopfes, Kopf- und Barthaare, hat wohl dieselbe Bedeutung: Hiob entstellt, nach damaligem Verständnis, seinen Körper, um sich mit seinen verstorbenen Kindern zu identifizieren.

-          „dann warf er sich nieder“ => Mit dieser Geste bringt Hiob nicht in erster Linie, wie in den beiden vorher geschilderten Gesten, Verzweiflung zum Ausdruck, sondern Unterwerfung unter den Willen Gottes. Er betet Gott als den höchsten König der Welt an, dessen Herrschaft nicht zu beanstanden ist. 

 

21)Er sagte: „Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter, nackt gehe ich dahin zurück. Jahwe hat gegeben, Jahwe hat genommen. Gelobt sei der Name Jahwes.“ 22)Trotz allem, was geschehen war, versündigte sich Hiob nicht. Er machte Gott nicht den Vorwurf, er hätte etwas falsch gemacht.

 

-          „nackt gehe ich dahin zurück“ => Hiob will hier nicht zum Ausdruck bringen, dass er nicht mehr leben will. Sondern er deutet den Vorgang als Ankündigung seines eigenen Endes. Er rechnet damit, dass er selbst auch bald sterben wird. Es ist nicht so, dass mit dem Verlust seines Besitzes und seiner Kinder die Beziehung zu Gott keinen Wert mehr hätte. Dass Hiob sich vorstellt in den Schoß der Mutter zurückzukehren, ist wohl Ausdruck einer damaligen bildlichen Sicht auf die Erde als eine Art Ursprungsort der Menschheit, wohin ein Mensch im Tod zurückkehrt (vgl.Ps.139,15).

-          „Jahwe hat genommen“ => Hiob hält sich nicht bei den Mittelursachen auf, also den Sabäern, den Chaldäern, dem Satan, Blitz und Sturm. Ja, in gewisser Weise haben sie Hiob alles weggenommen. Aber Hiob weiß, dass Gott über alles herrscht und dass nichts ohne seinen Willen geschieht. Als letzte Ursache, die allem Geschehen zu Grunde liegt, erkennt Hiob Gott selbst. Dies ist für alle Gläubigen ein großer Trost. Denn sie wissen, dass in allem Leid, das ihnen begegnet, Gott selbst bei ihnen ist. Es gibt keine böse Macht, die selbstständig und aus eigener Machtfülle heraus gegen Gottes Herrschaft ankommt. An dieser Wahrheit hält Hiob während des ganzen Hiobbuches fest. Was er aber später in Frage stellt, sind die Beweggründe Gottes, warum er ihn leiden lässt.

-          „gelobt sei der Name Jahwes“ => Gott hat gegenüber dem Satan Recht behalten: Hiob betet Gott nicht wegen der vielen Gaben an, sondern weil er ihn liebt.

 

 

5)       Gott geht mit dem Satan eine zweite Wette ein, bei der es weiterhin um die Prüfung geht, aus welchen Beweggründen Hiob Gott dient. Dabei ist dieser Prüfung noch schwerer für Hiob, weil sie mit großen und dauerhaften Schmerzen verbunden ist.  (2,1-6)

 

2,1)Eines Tages kamen die Söhne Gottes, um sich vor dem Herrn einzufinden. Auch der Satan fand sich unter ihnen ein, um vor den Herrn zu treten. 2)Der Herr sprach zum Satan: „Woher kommst du?“ Der Satan antwortete: „Die Erde habe ich durchstreift, hin und her.“ 3)Der Herr fragte den Satan: „Hast du auf meinen Knecht Hiob geachtet? So wie ihn gibt es sonst keinen auf der Erde. Er ist untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse. Noch immer hält er treu zu mir, obwohl du mich dazu gereizt hast, ihn ohne Grund zu verschlingen.

 

-          „du mich dazu gereizt hast, ihn ohne Grund zu verschlingen“ => Gott gibt hier einerseits zu erkennen, dass er die Verantwortung für die Leiden von Hiob trägt. Andererseits aber teilt er nicht die Beweggründe und die Zielsetzung des Satans. Satan wollte gerne, dass Gott Hiob verschlingt, also dem Tod preisgibt. Gott weiß dies und widersteht dem Satan. Er lässt es nur zu, dass in den Leiden Hiobs seine Liebe zu Gott offenbar wird, nicht aber, dass sein Glaube zerstört wird.

 

2,4)Der Satan antwortete dem Herrn: „Haut für Haut! Alles, was der Mensch besitzt, gibt er für sein Leben. 5)Aber streck doch einmal deine Hand gegen seine Knochen und sein Fleisch aus. Wetten, dass er dich dann offen verfluchen wird?“ 6)Da sagte der Herr zum Satan: „Gut, er ist in deiner Gewalt. Aber du darfst ihn nicht töten!“

 

-          „Haut für Haut“ => Es gibt im Wesentlichen zwei Deutungsmöglichkeiten für diesen Ausdruck.  1) Es handelt sich hier um ein Sprichwort aus dem Handelsleben. Es geht um einen ehrlichen Tausch. Hiob hat einen Tausch gemacht, der ihn zufriedenstellt. Wäre Hiob vor die Wahl gestellt worden, ob er seine Kinder verliert oder selbst Krankheit leiden oder sterben muss, hätte er sich für das eigene Leben und Gesundheit entschieden.  2) Der Ausdruck bezieht sich nicht auf das, was geschehen ist, sondern darauf, was noch geschehen wird. Der „Tausch“ ist auf die Beziehung von Gott und Hiob gemünzt: Wenn Gott Hiob schwere Krankheit zufügt, wird er von Hiob sozusagen die Quittung bekommen; er wird ihn verfluchen.

-          „seine Knochen und sein Fleisch“ => Beide Ausdrücke zusammen bezeichnen hier den Menschen in seiner gesamten Leiblichkeit und in seiner Anfälligkeit für Krankheit.

 

 

6)       Gott lässt es zu, dass der Satan Hiob mit einer äußerst schmerzhaften und chronischen Hauterkrankung belegt. Aber Hiob verflucht Gott wieder nicht, sondern erkennt seine Herrschaft an.  (2,7-10)

 

2,7)Der Satan ging weg aus der Gegenwart des Herrn und ließ an Hiob eiternde Geschwüre ausbrechen. Von Kopf bis Fuß war er damit bedeckt.

 

-          „eiternde Geschwüre“ => Es ist nicht möglich, die Art der Krankheit genau zu bestimmen. Es waren schlimme Hautinfektionen, bei der auch tiefere Bereiche mitbetroffen waren und teilweise von Maden besiedelt wurden. Hiob wurde durch die Krankheit äußerlich entstellt, stank widerlich, hatte enorme Schmerzen und musste damit rechnen, dass er daran sterben würde. Er wusste ja nichts von der Anordnung Gottes, dass der Satan ihn nicht töten durfte. Seine Mitmenschen würden bei seinem Anblick ganz automatisch denken, dass Gott ihn wegen einer schwerwiegenden Sünde bestrafte.

 

2,8)Hiob setzte sich mitten in einen Aschenhaufen und kratzte mit eine Scherbe an seinen Geschwüren herum.

 

-          „Aschenhaufen“ => Hiob musste die Stadt verlassen und fand sich beim Müllhaufen der Stadt ein, wo man Asche, zersprungene Töpfe und anderes entsorgte. Damit, dass er sich auf einen Aschenhaufen setzte, brachte Hiob seine große Trauer zum Ausdruck. Er hielt sich aber zwischendurch offensichtlich auch in seinem Haus auf (19,15-18).

-          „kratzte“ => Wahrscheinlich war der Juckreiz an einigen Körperstellen unerträglich oder er wollte Eiterbeulen öffnen, damit der Eiter nach außen abfließen konnte.

 

2,9)Seine Frau sagte zu ihm: „Willst du Gott immer noch die Treue halten? Verfluche ihn und stirb!“

 

-          „seine Frau“ => Es gibt zwei Möglichkeiten, die Beweggründe der Frau Hiobs darzustellen. Entweder spricht sie ihren Mann aus Liebe und Mitleid an oder aus Hass und Verachtung. Dies hängt im Wesentlichen davon ab, ob sie Gott oder Hiob für schuldig an dem Elend hält.

-          „immer noch die Treue halten“ => Die Ehefrau Hiobs hält es für sinnlos, dass Hiob angesichts seiner Leiden weiter auf Gott vertraut. Sie wird aufgrund der Erkrankung annehmen, dass die Beziehung zwischen Gott und ihrem Mann schon unheilbar zerbrochen ist.

-          „verfluche Gott und stirb“ => Hiobs Ehefrau erweist sich nicht als die Hilfe, die eine Ehefrau eigentlich für ihren Ehemann sein sollte. Ohne dass sie sich dessen bewusst ist, wird sie zum Sprachrohr des Satans. Wenn es Mitleid ist, welches sie hier antreibt, dann will sie ihrem Mann weitere Leiden ersparen. Wenn er Gott verflucht, wird der ihn schneller sterben lassen und seinen Leiden ein Ende machen. Oder aber sie spricht zu ihm aus Bitterkeit und Hass. Dann sieht sie wohl in Hiob einen Heuchler, der so getan hat, als ob er Gott dienen wolle. Durch seine Heuchelei hat er die Familie zerstört, sie ist bald Witwe und steht dann mittellos da. Soll er doch endlich seine Heuchelei beenden und endlich das tun, was in seinem Herzen steckt, nämlich Gott verfluchen. Gott, der ihn durch die Krankheit zur Umkehr ruft, vergeblich, wird ihn dann endgültig bestrafen, indem er ihn tötet.

 

2,10)Aber Hiob antwortete: „Du redest wie eine Gottlose. Wenn Gott uns Gutes gibt, nehmen wir das doch gerne an. Warum sollten wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?“ Trotz aller Leiden versündigte Hiob sich nicht mit Worten gegen Gott.

 

-          „wie eine Gottlose“ => Die übliche Übersetzung „Törin“ ist nicht stark genug. Hier denken wir eher an Dummheit. Es geht aber um moralische Verkommenheit. Hiob weist seine Frau in deutlichster Weise zurecht, er ruft sie zur Umkehr.

-          „das Böse aus seiner Hand annehmen“ => Wieder bestätigt sich das Urteil Gottes über Hiob: Er dient ihm, weil er ihn liebt. Hiob resigniert hier nicht, etwa nach dem Motto: Gott gibt uns nicht nur Gutes, sondern auch Böses, halbehalbe. Sondern er vertraut auf Gott, dass Gott die Leiden irgendwann wieder von ihm nehmen wird. Solange muss er, will er die Leiden erdulden. Hiob erkennt hier an, dass Gott das Recht hat, Leiden über ihn zu verfügen. Und er glaubt, dass sie am Ende etwas Gutes bewirken, da Gott weise und gnädig ist.

-          „das Böse“ => Gemeint ist hier nicht moralisches Böse, sondern Leid.

 

 

7)       Drei Freunde besuchen Hiob, um ihm in seiner Not beizustehen, sind aber selbst vom Ausmaß seiner Leiden so überwältigt, dass sie über ihn wie über einen Verstorbenen klagen und im Übrigen schweigen.  (2,11-13)

 

2,11)Die drei Freunde Hiobs hörten von all dem Unglück, das über ihn gekommen war. Da kamen sie, jeder aus seiner Heimat: Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und Zofar aus Naama. Sie beschlossen, ihn zu besuchen, um ihm ihr Mitgefühl zu zeigen und ihn zu trösten.

 

-          „Freunde“ => Es handelt sich hier nicht um enge Freunde, mit denen Hiob regelmäßig Austausch pflegte. Sie kommen von weiter weg, wahrscheinlich aus dem Gebiet von Edom, und sind mit Hiob durch eine Art Freundschaftsbund verbunden. Sie und Hiob sind füreinander so etwas wie Berater und Beistand in Sachen Weisheit.

-          „Mitgefühl zeigen … trösten“ => Die Freunde Hiobs wollen ihm zum einen ihre Anteilnahme bekunden und mit ihm trauern. Zum andern wollen sie ihn trösten, was konkrete Hilfen beinhaltet. Sie wollen ihm helfen, dass er aus dem Leid wieder herauskommt. Umkehr zu Gott ist, wie sich später zeigt, ihrer Ansicht nach der Schlüssel für Hiob, um die Leiden wieder loszuwerden.

 

2,12)Als sie ihn aber von fern erblickten, erkannten sie ihn nicht. Sie erhoben ein lautes Klagegeschrei und jeder zerriss sein Obergewand. Sie warfen Staub himmelwärts über ihren Kopf.

 

-          „erkannten ihn nicht“ => Hier ist wohl mehr gemeint, als dass sie ihn nicht gleich erkannt haben. Sie haben ihn nicht anerkannt als den Hiob, den sie kannten und dem sie zu begegnen erwarteten. Sie treffen gleichsam auf einen anderen, einen Toten.

-          „Klagegeschrei“ => Gemeint ist weniger das Weinen als Ausdruck des Mitgefühls. Auch wenn dies hier mitschwingt, geht es vor allem darum, dass ein rituelles Klagegeschrei über einen Toten angestimmt wird. Das Zerreißen der Obergewänder weist auch in die Richtung, dass sie um einen Toten trauern. Die Freunde haben wohl einiges erwartet. Aber dieses Ausmaß an Leiden, welches sie an Hiob sehen, übertrifft alle Befürchtungen, die sie gehabt haben. Wahrscheinlich lesen sie daraus bereits hier ein Ausmaß an Schuld auf Seiten Hiobs ab, für das er kaum noch Vergebung finden wird.

-          „warfen Staub über ihren Kopf in die Luft“ => Hier wird wohl eine andere Geste als die beschrieben, bei der ein Trauernder Asche oder Staub auf seinen Kopf bringt. Hier wird Staub himmelwärts in die Luft geschleudert. Die Bedeutung diese Geste ist nicht genauer bekannt. Die Freunde Hiobs bringen hier wohl zum Ausdruck, dass sie sich mit Hiob in seinen Leiden identifizieren.

 

2,13)Sie setzten sich neben Hiob auf die Erde. Sieben Tage und sieben Nächte lang blieben sie so sitzen. Keiner von ihnen sagte ein Wort zu ihm. Denn sie sahen, wie groß die Leiden von Hiob waren.

 

-          „sieben Tage und sieben Nächte … keiner von ihnen sagte ein Wort zu ihm“ => Dies könnte man als die übliche Zeitspanne für die Trauer um einen Toten deuten (1.Mo.50,10; 1.Sam.31,13; Hes.3,15). Und in der Tat trauern die Freunde wie um einen Toten, wenn sie kein Wort an ihn richten. Es ist wohl Hiob, der hier in die Art des Beistands seiner Freunde, nämlich die einwöchige Totentrauer, einwilligt und das Schweigen erst nach einer Woche durchbricht. Bei allem Mitgefühl der Freunde ist hier auch ein befremdliches Element vorhanden. Sie wollen Hiob trösten und überlassen es aber ihm, das erste Wort zu sagen. Und einen Todkranken wie einen Toten zu behandeln, ist alles andere als ermutigend. Ganz still wird es die Woche nicht gewesen sein. Wahrscheinlich haben die Freunde immer wieder ein rituelles Klagegeschrei angestimmt, wie dies bei einem Todesfall üblich war. Gesagt wird ja lediglich, dass keiner ein Wort „zu ihm“, Hiob, sprach.

-          „denn“ => Die Begründung für ihre Totenklage wird hier gegeben. Die Leiden von Hiob sind größer, als sie sich vorstellen konnten. Sie sind für sie Vorboten eines nahenden Todes, den Gott als Strafe über Hiob herbeiführen wird. Der Tod, so fürchten sie, ist für Hiob bereits unausweichlich geworden.

 

 

8)       Hiob verflucht den Tag seiner Empfängnis, das heißt sein vom Leiden aufgezehrtes Leben. Sein Fluch ist eine verzweifelte Klage.  (3,1-10)

 

3,1)Danach war es Hiob, der das Schweigen brach. Er verfluchte seinen Tag.

 

-          „danach war es Hiob, der das Schweigen brach“ => Dass Hiob das Schweigen bricht, ist weniger eine Höflichkeit der Freunde denn eine Nachlässigkeit von ihnen. Sie hätten ihn, über die Totenklage hinaus, ansprechen und trösten sollen.

-          „er verfluchte seinen Tag“ => Nach der Totenklage der Freunde stimmt Hiob selbst in seiner Verzweiflung ein bitteres Loblied auf den Tod an. Er verflucht nicht Gott, das ist äußerst wichtig festzuhalten. Sondern er verflucht „seinen Tag“. Dies ist wohl ein Ausdruck für sein Leben, insbesondere das Leben, was jetzt vom Leiden verschlungen wird. Ein Gesichtspunkt „seines Tages“ ist der Tag seiner Geburt. Wenn Hiob seinen Tag, also sein Leben verflucht, dann ist dies Ausdruck seiner Verzweiflung. Es geht hier nicht um eine Art magischen Zauber, den Hiob anwendet. Natürlich weiß Hiob, dass er sein Leben nicht rückgängig machen kann. Und er weiß auch, dass er die Leiden durch einen Fluch loswird. Es geht hier in dem Fluch gar nicht um menschliche Logik, ob es etwas sein kann oder nicht. Aus dem Fluch über sein Leben spricht pure Verzweiflung. Darum ist diese Handlung von Hiob nicht verwerflich, zumindest weitestgehend nicht. Denn Gott verflucht er damit nicht. Es steckt vielmehr eine Bitte an Gott mit drin, er möge Hiob endlich sterben lassen, wenn er denn die Leiden nicht von ihm nehmen will. Zu bedenken ist hier, dass Hiob, als er sein Leben verflucht, schon seit Monaten schwerste Leiden ertragen muss. Er kann einfach nicht mehr und hat jede Hoffnung darauf, wieder gesund zu werden, verloren.

 

3,2)Hiob ergriff das Wort und sprach: 3)„Versunken und vergessen soll er sein, der Tag, an dem ich geboren wurde, auch die Nacht, die ausrief ´Ein Junge ist empfangen worden!`.

 

-          „der Tag … die Nacht“ => Hiob spricht hier von Tag und Nacht wie von Personen. Konkret handelt es sich um den Tag seiner Geburt und die Nacht, in der er von seiner Mutter empfangen wurde. Hiob wünscht sich, es hätte diesen Tag und diese Nacht nicht gegeben.

-          „ein Junge ist empfangen worden“ => Die Nacht, in der Hiob empfangen wurde, hat gejubelt, als dies geschah. Sie hat damit den Eindruck erweckt, als das Leben Hiobs ein Grund zur Freude. Aber sie hat gelogen oder hat es nicht gewusst, was für Leid auf Hiob wartete. So oder so wünscht Hiob ihr, dass es sie nie gegeben hätte, die Nacht, in der er empfangen wurde. Hier ist klar, dass keine Logik regiert: Diese Nacht hat es schon gegeben, sie kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Aber auf diese Art Logik kommt es in der Klage von Hiob nicht an. In Jer.20,15 verflucht Jeremia in seiner Klage den Mann, der seinen Vater mit der Nachricht erfreute: „Du hast einen Sohn bekommen!“ Dieser Mann lebt möglicherweise schon gar nicht mehr, aber darauf kommt es gar nicht an. Der Fluch ist nicht wirklich gegen diesen Mann gerichtet, sollte er noch leben. Jeremia gibt einfach seiner Verzweiflung Ausdruck. So tut es auch Hiob.

 

4)Dieser Tag wäre er doch Finsternis gewesen! Dass Gott dort oben nie nach ihm gefragt hätte, dass kein Licht ihn beschienen hätte!

 

-          „dieser Tag“ => In den Versen 4 und 5 spricht Hiob Einzelheiten in seinem Fluch über den Tag seiner Geburt aus.

-          „dieser Tag, wäre er doch Finsternis gewesen“ => Hiob spricht hier wie Gott im Schöpfungsbericht. Nur das es statt „Es werde Licht“ in seiner Klage „Es werde Finsternis“ heißt.

-          „wäre er doch … gewesen“ => Es stellt sich hier eine Schwierigkeit bei der Übersetzung der hebräischen Zeitwörter ein. Es gibt im Hebräischen keine Wunschformen für Zeitwörter, ebenso wenig wie im Deutschen. Der Fluch, den Hiob ausspricht, ist nicht logisch, insofern er sich auf einen Tag bezieht, der schon gewesen ist und nicht rückgängig gemacht werden kann. Nachvollziehbar ist aber, dass ein Wunsch, der sich auf die Vergangenheit richtet und nicht mehr erfüllt werden kann, als Klage anzusehen ist. Im Deutschen bringen wir diese Klage, die sich auf etwas Vergangenes richtet, dass leider nicht mehr geändert werden kann, mit Zeitformen im Konjunktiv (Möglichkeitsform) verbunden mit Wörtern, die Emotionen anzeigen („ach, doch“) zum Ausdruck. Es ist wichtig hier festzuhalten, dass Hiob nicht davon ausgeht, einen magisch wirksamen Fluch auszusprechen. Sondern er klagt und hofft auf das Mitleid Gottes und seiner Freunde.

-          „dass Gott nie nach ihm gefragt hätte“ => Hiob sieht jeden Tag als einen neuen Schöpfungsakt Gottes. Jeder einzelne Tag zieht herauf, wenn Gott es will. Dass Gott nach ihm fragt, bedeutet, dass er die Tage nicht nur hervorruft, sondern an jedem einzelnen von ihnen Interesse hat. Von dem Tag seiner Geburt wünscht sich Hiob, Gott hätte kein Interesse an ihm gehabt und ihn in der Finsternis gelassen.

-          „dass kein Licht ihn beschienen hätte“ => Hiob sieht Gott als denjenigen an, der jedem Tag sein Licht verleiht. Er glaubt an einen allmächtigen und gütigen Schöpfer. Doch sein Glaube an die Güte Gottes ist durch seine Leiden erschüttert.

 

3,5)Dass ihn doch Finsternis und der Schatten des Todes ihn als Eigentum gefordert hätten, dass Gewölk sich über ihn gelagert hätte, dass eine Sonnenfinsternis ihn erschreckt hätte.

 

-          „Finsternis und Schatten des Todes“ => Wenn Gott den Tag der Geburt Hiobs nicht hervorgerufen hätte, dann wäre er im Machtbereich der Finsternis und des Todes geblieben. Gemeint sind hier die Finsternis und das Chaos, die der Schöpfung der Welt vorangingen und die Gott besiegt hat. Licht ist mit dem Leben verbunden, es symbolisiert die von Gott geschaffene und erhaltene Welt, in der der Mensch gut leben kann. Finsternis symbolisiert den Tod.

-          „Sonnenfinsternis“ => Eine Sonnenfinsternis bringt Dunkelheit mitten am Tage. Sie ist daher von jeher als Gefahr der lebensdienlichen Ordnung der Welt angesehen worden, als Zeichen dafür, dass das Leben von dunklen Chaosmächten bedroht wird. Hiob wünscht sich, Gott hätte es zugelassen, dass solch eine Sonnenfinsternis den Tag seiner Geburt erschreckt hätte, so dass dieser Tag sich erschreckt zurückgezogen hätte und Hiob nicht das Licht der Welt erblickt hätte.

 

3,6)Diese Nacht, dass tiefe Dunkelheit sie gestohlen hätte! Ach, dass sie nicht unter die Tage des Jahres gezählt und bei der Berechnung von Monaten berücksichtigt worden wäre! 7)Dass diese Nacht doch unfruchtbar gewesen und kein Freudenruf in ihr gehört worden wäre!

 

-          „diese Nacht“ => Gemeint ist die Nacht, in der Hiob empfangen wurde. In den Versen 6-9 spricht Hiob Einzelheiten in seinem Fluch über sie aus.

-          „tiefe Dunkelheit“ => Gemeint ist hier nicht die Dunkelheit, wie sie zur Nacht gehört, sondern die Dunkelheit als Chaosmacht, die die Nacht, in der Hiob empfangen wurde, hätte verschlingen sollen.

-          „Freudenruf“ => Es geht hier um Freuderufe, die die Empfängnis von Hiob begleitet haben, nicht seine Geburt. Entweder spielt Hiob auf die sexuelle Vereinigung seiner Eltern an. Oder die Rede ist von der Hochzeitsnacht, in der er empfangen und während der von der Hochzeitsgesellschaft gesungen wurde.

 

3,8)Dass doch diejenigen, die den Tag verfluchen können, sie verwünscht hätten, sie, die in der Lage sind, den Leviathan zu wecken.

 

-          „diejenigen, die den Tag verfluchen können“ => Hiob wünscht sich, dass Magier oder Astrologen die Nacht, in der er empfangen wurde, verwünscht hätten. Dann wäre er gar nicht oder als Fehlgeburt empfangen worden.

-          „Leviathan“ => Es handelt sich hier um ein Meeresungeheuer, das ursprünglich in alten Mythologien im 2.Jahrtausend vor Christus auftaucht, und zwar in Schriften des im heutigen Nordsyrien gelegenen Stadtstaates Ugarit. Leviathan wird hierin beschrieben als eine Macht des Bösen, die die Welt ins Chaos stürzen will. Wahrscheinlich wurde Leviathan auch in den Religionen Kanaans und seiner Mythologien aufgenommen. Jedenfalls taucht der Ausdruck auch im Alten Testament an 5 Stellen auf: Hi.3,8; 40,25; Ps.104,26; Ps.74,14; Jes.27,1. Er bezeichnet auch hier ein Meeresungeheuer, dass die Welt ins Chaos stürzen will. Das Meer steht dabei als Machtbereich des Bösen. Letztlich bezieht die Bibel den Leviathan auf den Anführer alles Bösen, den Satan (Offb.12,7-9). Diese Verbindung ist wohl auch im Buch Hiob zu beachten.

Hiob wünscht sich also in gewisser Weise den Leviathan als Helfer herbei, der seinem Leiden ein Ende bereitet. Wahrscheinlich bekommen wir hier einen Hinweis darauf, dass Hiob in der Klage einen schmalen Grat betreten hat, auf dem er vom Satan angefochten wird. Hiob benennt hier die Macht, die ihn bekämpft, und weiß es nicht. Als Leser werden wir hier darauf hingewiesen, dass der Hauptschauplatz, auf den wir geführt werden, das Innere von Hiob ist. Hier tobt der Kampf. Es geht ja um die Frage, die Gegenstand der Wette zwischen Gott und dem Satan ist: Wird Hiob Gott angesichts seiner Leiden Gott verfluchen oder nicht?

 

3,9)Ach wären doch die Sterne, die ihre Dämmerung anzeigen, in Finsternis versunken, so dass sie vergeblich auf ihr Licht gewartet hätte und keine Wimpern der Morgenröte gesehen hätte!

 

-          Sterne, die ihre Dämmerung anzeigen“ => Gemeint sind die Morgensterne Venus und Merkur.

-          „in Finsternis versunken“ => Es geht vom Zusammenhang her um die Finsternis, die der Leviathan als Chaosmacht herbeiführt. Wäre die Nacht, in der Hiob empfangen wurde, von dieser Finsternis ergriffen worden, dann hätte er in ihr nicht von seiner Mutter empfangen werden können.

-          „Wimpern der Morgenröte“ => Gemeint sind die Strahlen in der Morgenröte, die wie Wimpern am Himmel zu sehen sind.

 

3,10)Denn sie hat die Tore zum Mutterschoß nicht verschlossen noch meine Augen davor bewahrt, Unglück zu schauen.

 

-          „denn“ => Hiob verflucht die Nacht, in der er empfangen wurde, aus dem einen Grund, dass sie nicht verhindert hat, dass er empfangen wurde. Sie hat ihn damit in ein Leben entlassen, das von Leiden erfüllt ist.

 

 

9)       Hiob klagt, warum er nicht bei seiner Geburt verstorben ist und bringt seine Sehnsucht danach, im Totenreich Ruhe von seinen Leiden zu finden, zum Ausdruck.  (3,11-19)

 

3,11)Warum bin ich nicht gleich bei der Geburt gestorben, warum bin ich nicht verschieden, als ich aus dem Mutterleib kam?

 

-          „warum“ => Die Verse 3-9 waren von Flüchen geprägt, die aber eigentlich als Klagen anzusehen sind. Die Verse 11-26 sind geprägt von offen ausgesprochenen Klagen.

-          „gleich bei der Geburt gestorben“ => Hiob schreitet in der Vergangenheit zeitlich voran. Die Nacht seiner Empfängnis hat seine Empfängnis zugelassen. Aber warum ist er dann nicht bei der Geburt oder kurz danach gestorben, klagt Hiob.

 

3,12)Warum haben mich Knie willkommen geheißen und Mutterbrüste, so dass ich daran trank?

 

-          „Knie … Mutterbrüste“ => Gemeint sind wohl die Knie der Mutter. Sie hat ihr Kind, nachdem sie es zur Welt gebracht hat, auf den Schoß genommen und an ihrer Mutterbrust gesäugt. Hiob schildert hier Momente am Anfang seines Lebens, die eigentlich die Schönheit des Lebens zum Ausdruck bringen: ein neugeborenes Kind, dass vollkommen abhängig ist von seiner Mutter und von ihr in dieser Welt willkommen geheißen und versorgt wird. Hiob dagegen fragt, warum ihn seine Mutter so empfangen hat, warum Gott ihn in so fürsorglich in diese Welt gesetzt hat. Hiob bringt mit seiner Klage zum Ausdruck, welch drückendes Gewicht seine Leiden für ihn haben. So schön es war, von der Mutter umhegt zu werden, die Leiden wiegen schwerer. Er wäre lieber nicht auf diese Welt gekommen.

 

3,13)Denn dann würde ich jetzt im Frieden daliegen, ich würde schlafen und hätte meine Ruhe. 14)Ich läge da zusammen mit Königen und Staatsdienern, die zerfallene Städte wieder aufbauten, 15)mit Fürsten, die reich an Gold waren und ihre Häuser mit Silber anfüllten.

 

-          „Frieden … Ruhe“ => In seiner Klage zeichnet Hiob das Totenreich als erstrebenswert. Eigentlich ist es nicht erstrebenswert, dort zu landen, weil es fern vom wahren Leben ist. Aber das, was Hiob an Leiden erfährt, macht das, was eigentlich niemand wünscht, erstrebenswert. Hiob deutet hier an, was er in 3,24-26 zum Ausdruck bringt: Er wird Tag für Tag geschüttelt von Ängsten, er hofft, dass es nicht so schlimm kommt. Dann keimt in ihm mal Hoffnung auf und wird brutal durch die Intensität seiner Leiden zerschmettert. Man muss aber noch eine weitere Dimension beachten: Für Hiob ist diese Welt sinnlos geworden. Er hat enorme Anfechtungen im Blick auf die Gerechtigkeit Gottes. Seine größte Angst ist die, dass er einmal Gott verfluchen könnte. Deshalb erscheint ihm das Totenreich als Ort der Ruhe. Dort ist er vor allen Dingen nicht mehr falschen Hoffnungen und der Verzweiflung über Gott ausgesetzt.

-          „ich läge da zusammen mit Königen“ => Hiob will nicht sagen, dass es ganz nett ist, mit Königen im Totenreich zu sein. Ihre Macht und ihr Reichtum gelten dort nämlich nichts. Und darauf kommt es Hiob an: Die Ruhe im Totenreich ist dadurch gewährleistet, dass dort alle Standesunterschiede, die auf der Erde eine Rolle spielen, beseitigt sind. Dies ist für Hiob erstrebenswert geworden, weil er durch die Leiden auch die Verachtung der Leute zu spüren bekommen hat. Machthaber und Reiche sind für ihn die Hauptschuldigen für Ausbeutung und Terror auf der Erde. In den Versen 17-19 geht er weiter darauf ein, dass im Totenreich ihre Machenschaften ein Ende haben. Hiob war ein Reicher anderer Art: Er hat ihn nicht dazu missbraucht, Macht auszuüben, sondern um damit Gott und dem Nächsten zu dienen.

 

3,16)Warum bin ich nicht tot geboren und verscharrt worden, wie ein Kind, das nie das Licht gesehen hat? 17)Dort (im Totenreich) hören die Gottlosen auf zu tyrannisieren, und die, deren Kräfte ausgelaugt sind, haben ihre Ruhe. 18)Kriegsgefangene sind dort frei von Sorgen, sie hören nicht mehr die Befehle des Antreibers. 19)Die Geringen sind dort, und die Großen auch, der Sklave ist dort frei von seinem Herrn.

 

-          „warum“ => Wörtlich beginnt der Vers mit einem „oder“. Er knüpft wahrscheinlich an die Verse 11 und 12 an und setzt deren „warum“ – Fragen fort.

-          „Gottlose“ => Es geht hier um reiche Machthaber, die durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern reich geworden sind. Sie haben deren Arbeitskraft ausgelaugt.

-          „Kriegsgefangene“ => Für Zwangsarbeit wurden in der Regel Kriegsgefangene eingesetzt.

-          „Kriegsgefangene … frei von Sorgen …  Sklave … frei von ihrem Herrn“ => Hiob war ein reicher Mann, aber er zählt sich nicht zu den ungerechten Machthabern. Was es bedeutet ausgestoßen zu werden und jegliches Ansehen zu verlieren, hat er in den Monaten seiner Erkrankung erlebt. Er kann jetzt mit denen mitfühlen, die im Leben unrechte Leiden erdulden müssen. Dies geschieht aber im Zusammenhang seiner Klage: Hiob sehnt sich nach dem Tod, weil dort seinen Leiden ein Ende gesetzt wird.

 

 

10)    Hiob gibt in seiner Klage zum Ausdruck, dass sein gesamtes Weltbild zusammengebrochen ist. Er leidet nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich: Die Welt der Lebenden ist für ihn ein Ort des Chaos geworden, das Totenreich ein Ort des Friedens.  (3,20-26)

 

3,20)Warum ist dem Leidenden das Licht gegeben und das Leben denen, deren Seele verbittert ist? 21)Sie sehnen sich nach dem Tod, aber sie sehnen sich vergeblich. Sie graben nach ihm mehr als nach verborgenen Schätzen. 22)Sie würden überschwänglich jubeln, wären von Freude erfüllt, wenn sie das Grab fänden.

 

-          „warum“ => Mit dieser Frage gibt Hiob seiner Verzweiflung Ausdruck. Er will keine Erklärung für seine Leiden. Vielmehr klagt er Gott sein Leid oder klagt Gott wegen seines Leides an. Der Übergang von Klage zur Anklage ist fließend. Die Emotionen werden in Hiob hin und her geschaukelt haben.

-          „deren Seele verbittert ist“ => Gemeint ist, dass jemand innerlich voller Trauer über die Leiden ist und dagegen aufbegehrt. Hiob redet hier über seine eigene Erfahrung. Aber er spricht auch für alle, denen es so ergeht wie ihm; durch die Leiden ist er solidarisch mit ihnen vereint.

-          „graben“ => Hiob spricht bildlich von seiner Sehnsucht danach zu sterben. Das Bild ist geprägt von Schatzgräbern, die in der Erde graben oder in Gräbern wühlen. Sie sind beseelt von der Hoffnung, durch den Schatz der Armut zu entkommen. In übertragener Weise gräbt Hiob mit noch mehr Einsatz ein Loch in die Erde, um ins Totenreich zu gelangen.

 

3,23)Warum ist dem das Leben gegeben worden, dem sein Weg verborgen ist, den Gott von allen Seiten umzäunt hat?

 

-          „warum“ => Hier wird die Klage aus 3,20 weitergeführt.

-          „dem sein Weg verborgen ist“ => Hiob vergleicht sich mit einem Wanderer, der auf seinem Weg in die Nacht hineingerät und den Weg nicht mehr erkennen kann. Der Weg steht hier übertragen für sein Leben: es ist ein Weg, der zum Leben führt bzw. in dem das Leben besteht. Hiob kann aufgrund seiner Leiden keinen Sinn im Leben mehr erkennen, er hat hier jede Orientierung verloren.

-          „den Gott von allen Seiten umzäunt hat“ => In 1,10 sprach der Satan davon, dass Gott Hiob und seine Familie wie mit einem Schutzzaun umhegt. Und er hatte Recht mit dieser Aussage. Jetzt spricht Hiob davon, dass Gott ihn einzäunt. Er will damit zum Ausdruck bringen, dass er sich von Gott eingesperrt fühlt. Und zwar hat Gott ihn in dieses vom Leid gepeinigten Leben eingesperrt. Von 2,6 her wissen wir, dass es Gottes Befehl gegenüber Satan war, ihn nicht zu töten. Es war Ausdruck von Gottes Güte. Hiob aber empfindet dies als Unbarmherzigkeit Gottes ihm gegenüber. Während Hiob sich sehnlichst wünscht, dass Gott ihn endlich sterben lässt, hält dieser ihn am Leben und setzt ihn damit schlimmsten Leiden aus.

 

3,24)Denn meine Seufzer sind mein täglich Brot, Klagen strömen aus mir hervor wie Wasser.

 

-          „denn“ => Hiob begründet in den Versen 24-26, warum er lieber tot wäre als lebend.

-          „Seufzer sind mein täglich Brot“ => Tägliches Brot erhält das Leben. Wenn aber Seufzer die tägliche Nahrung sind, dann ist das Leben ein elendes Leben. Hiob beschreibt sein Leben als etwas, bei dem es gar nicht mehr darauf ankommt, ob es von außen erhalten wird oder nicht. Er ist mit sich selbst beschäftigt, seine Sorgen und Ängste nehmen ihn ganz ein.

-          „Klagen strömen aus mir wie Wasser“ => Das Wasser steht hier wie das Brot für etwas, was ein Mensch täglich zum Leben braucht. Hier aber wird das Bild verstärkt, wonach das, was Hiobs Leben ausmacht, gar nicht von außen zugeführt wird: Nicht das Wasser, welches er trinkt, macht sein Leben aus, sondern die Klagen, die wie Wasser aus ihm hervorströmen.

 

3,25)Das, wovor ich am meisten Angst hatte, hat mich getroffen; alles, was ich befürchtet habe, ist über mich gekommen. 26)Ich habe keine Ruhe, keinen Frieden; das Chaos ist gekommen.

 

-          „wovor ich am meisten Angst hatte“ => Hiob bezieht sich hier wohl zurück auf die Zeit vor seinen Leiden. Er hatte Angst davor, dass seine Kinder sich die Strafe Gottes zuziehen, wenn sie den Wohlstand zu ihrem Götzen machten. Auch im Blick auf sich selbst war es eine Angst von ihm, Gott untreu zu werden und sich seine gerechte Strafe zuzuziehen. Die größte Angst von Hiob war wohl die, einmal an Gott irre zu werden. All das hat ihn nun getroffen.

-          „das Chaos ist gekommen“ => Hiob spricht hier zum einen von den äußeren Leiden. Durch sie ist für ihn die ganze Welt aus den Fugen geraten. Daher ist das Chaos auch auf sein Innenleben zu beziehen. Er versteht Gott nicht mehr. Er bringt das Chaos mit ihm in Verbindung. Hiob kann sich innerlich nicht mehr orientieren. Ausdruck davon ist, dass er im Totenreich die Ruhe zu finden hofft, die er in diesem Leben verloren hat.

Mit dieser Klage hat Hiob sich seinen Freunden und uns, den Lesern, offenbart. So sieht es in ihm aus. Er kann hier nichts beschönigen. Er ist verzweifelt über seine Lage. Zutiefst verzweifelt ist er darüber, dass Gott und die ganze Welt ihm fremd geworden sind. Wir lernen hier an Hiob, dass der Glaube nicht etwas ist, das in sich selbst ruht. Manchmal können die Gläubigen innerlich nur noch hilflos zappeln und klagen. Und wenn es so mit uns steht, dann können, dann sollen wir auch vor Gott unsere Klage ausbreiten. Das ist allemal besser, als sich stumm und verhärtet von ihm abzuwenden.

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